Fördern und Fordern

Ausbildungsbrücke Celle/Wathlingen

Ausbildungsbrücke Celle/Wathlingen

Ein noch recht junges Projekt in Celle und Wathlingen ist die Ausbildungsbrücke. Darin begleiten Patinnen und Paten Jugendliche auf ihrem Weg zum Schulabschluss und ins Berufsleben. Ralf Wolter, Koordinator des Projektes, sowie die aktiven Paten Gabriele Engeldinger und Hartmut Klötzing schildern, was die Ausbildungsbrücke ist und welche Ziele sie erreichen will.

Die Ausbildungsbrücke, was steht hinter diesem Begriff?

Ralf Wolter: Die Ausbildungsbrücke ist Teil eines Gesamtprojektes, zu dem noch die sogenannte Jobbrücke gehört, die begleitende Unterstützung von Arbeitslosen. Die Ausbildungsbrücke wendet sich an Schüler ab der achten Klasse und möchte sie in einer Brückenfunktion von der Schule über den Schulabschluss in eine Ausbildung bringen.

Warum ist dieses Projekt gerade bei der Diakonie angesiedelt?

Ralf Wolter: Sie hat das 1999 übernommen als Projekt mit besonderen Problemen im Bereich Brandenburg/Berlin. Zuerst bezog sie sich ausschließlich auf die Förderung und Begleitung arbeitsloser Menschen mit besonders schwierigen Randbedingungen, ab 2008 kam dann die Förderung Jugendlicher über das Projekt Ausbildungsbrücke PATENMODELL dazu.

Was wird den Jugendlichen in der Ausbildungsbrücke konkret angeboten?

Gabriele Engeldinger: Die Jugendlichen erhalten durch die Paten Unterstützung in allen Themen, die sie so benötigen um einen erfolgreichen Weg in Beruf oder Ausbildung einzuschlagen. Bei jungen Menschen mit Migrationshintergund sind es natürlich die deutsche Sprache oder andere Grundlagenfächer, die aufgrund der Fluchtsituation nicht vorhanden sind.

Welche konkreten Anforderungen gibt es von Seiten der Jugendlichen?

Ralf Wolter: Den Jugendlichen werden Impulse und Informationen als Hilfe zur Selbsthilfe angeboten. Wir als Patinnen und Paten übernehmen nicht alles für sie, sondern wir stellen ihnen Informationen bereit, damit sie tätig werden können.

Es gibt ja noch andere Förderungsprojekte in Celle, wo ist die Ausbildungsbrücke anders?

Gabriele Engeldinger: Die Patenschaft zeichnet sich durch eine individuelle Beziehung zwischen Patin und Patenkind aus. Andere Projekte arbeiten meines Wissens nach eher themenbezogen, wie zum Beispiel durch Bewerbungstrainings für eine ganze Klasse, wenn diese Schüler ihre Bewerbungen und Lebensläufe erstellen.

Ralf Wolter: Dabei stelle ich immer wieder fest, da kommt dieses Kind, Junge oder Mädchen, nach Hause und hat keinen Gesprächspartner. Was macht das mit den tausend Informationen von Veranstaltung X und Anbieter Y? Da kommen wir dann wieder zum Zuge, weil wir aufgrund der Vertrauenssituation, die aus der Individualität kommt, mit dem Kind sprechen können.

Wie weit arbeitet der Pate mit der Schule zusammen?

Gabriele Engeldinger: Ich empfinde die Zusammenarbeit mit der Schule als eine sehr offene Angelegenheit. Der Kontakt zur Schule läuft nach meiner Erfahrung über die SozialarbeiterInnen der Schule, beziehungsweise auch über die Lehrer, zum Beispiel die Klassenlehrer, die aber durch den Tagesbetrieb sehr stark ausgelastet sind.

Ralf Wolter: Die Zusammenarbeit mit der Schule ist grundsätzlich geregelt durch eine Kooperations-Vereinbarung, die ich als Koordinator betreue. Ansonsten ist die Zusammenarbeit mit der Schule darauf ausgerichtet, dass sie uns Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, sowie eine Reflektion in ihrem Internet-Auftritt, eben informative Möglichkeiten schafft.

Sichtbare Erfolge? Wo man sagen kann, da ist etwas passiert, da hat es sich gelohnt?

Gabriele Engeldinger: Ein großer Erfolg in unserem Falle war, dass mein Patenkind sich seit Sommer in einer Berufseinstiegsklasse befindet, dort ihren Hauptschulabschluss machen wird. Die Noten, die sie zum Ende dieser Klasse erreichen wird, versprechen recht gut zu werden, inklusive Deutsch und Mathe, das finde ich schon einen großen Erfolg.

Hartmut Klötzing: Mein Patenkind wird zum 1. August eine Ausbildungsstelle als KFZ-Mechatroniker antreten. Das ist natürlich ein gutes Gefühl für einen jungen Mann, der 17 Jahre alt ist, der vorher Null Deutsch konnte, seit drei Jahren zu Oberschule geht und der sich da toll gemacht hat.

Ralf Wolter: Das ist eben das, was Paten können. Da würde ein anderer, aus dem sozialen Bereich oder aus der Berufsberatung, einfach abblitzen, weil er sich nicht persönlich kümmern kann. Er hat immer eine Menge von Leuten, wir können mit dem Einzelnen weiter machen.

Was braucht das Projekt noch?

Alle: Paten. (und lachen)

Ralf Wolter: Patinnen und Paten. Punkt zwei: wir müssen uns beim Thema Nachhilfe Gedanken machen. Wir brauchen Spender, die unseren Schülerinnen und Schülern Nachhilfe spendieren, wenn wir keine Leute finden, die das ehrenamtlich machen. Das ist nämlich sehr, sehr selten. Wenn wir da Unterstützung hätten, dass Leute sagen würden, wir spenden und fördern hier Nachhilfeunterricht, das wäre schon toll. In Lüneburg, wo einhundert und mehr Patenschaften laufen, gibt es jemanden, der Nachhilfe sponsert. Die können das ganze Problem wunderbar abdecken und müssen nicht immer Einzelsuche machen.